Navigation Kopfzeile
CMS Content-Management-SystemeCommerce Online-Shop ShopSoftwareCMS Content-Management-SystemWDPX-Frank Wollweber, 38855 Wernigerode, Germanyleer
Sonntag, 05. Februar 2012

Justin Leitzbach

Ärzte entfernen bei Kind erkrankten Teil des Gehirns
OP befreit fünfjährigen Jungen von schweren Krampfanfällen

Von Christian Althoff, erschienen im Westfalen-Blatt am 19. August 2006

Bielefeld. In einer komplizierten Operation haben Ärzte des Epilepsiezentrums im Evangelischen Krankenhaus Bie­lefeld einem Jungen (5) einen kranken Teil seines Gehirns entfernt und das Kind so von schweren Krampfanfällen be­freit.

Mit neun Monaten begannen die Krämpfe

Abstand
Justin und Albulena bei der Diagnostik in Bethel
Justin und Albulena bei der Diagnostik in Bethel

»Für uns hat damit ein neues Leben begonnen«, strahlt Claudia Leitzbach (30), die Mutter des kleinen Patienten aus Frankfurt am Main:
Justin war neun Monate, als er epileptische Anfälle bekam. »Er streckte für Minuten seine Arme von sich und verdrehte die Augen«, erinnert sich die Mutter. Als Ursache der Krämpfe war im Frankfurter Clementinen-Kran­kenhaus eine Tuberöse Sklerose diagnostiziert worden - ein ange­borener Gen-Defekt, der in Deutschland jedes 15 000. Kind trifft und zu knotenartigen Verhärtungen im Gehirn führt. Diese gutartigen Tumore bringen den Stromfluss im Kopf durcheinan­der. Sie verursachen plötzliche elektrische Entladungen und lösen so die Muskelkrämpfe aus.
»Ein Jahr lang konnten wir die Anfälle mit Medikamenten unterdrücken. Dann kehrten die Krämpfe zurück - häufiger und schwerer als zuvor«, erinnert sich die Mutter. Als Justin zwei Jahre alt gewesen sei, habe er jeden Tag zwischen vier und acht Anfälle erlitten. »Seine Muskeln spannten sich für Minuten an. Er stand stocksteif da, bis plötzlich ein Beinmuskel nachgab und Justin hinfiel.« Um solche Stürze zu verhindern und dem verängstigten Kind während der Anfälle beiste­hen zu können, habe eines der Elternteile immer in der Nähe des Kindes sein müssen - Tag und Nacht. »Nach den Krampfanfällen war unser Sohn so schwach, dass er mir nicht einmal die Hand geben konnte. Es dauerte immer eine Stunde, bis er sich wieder erholt hatte«, erzählt Claudia Leitzbach. Mit den Anfällen ver­bunden waren erhebliche Entwicklungsverzögerungen: Bewe­gungsabläufe, Sprach/ und Spielvermögen - mit vier Jahren war Justin auf dem Stand eines Dreijährigen.
Abstand

Bethel bundesweit führend

Abstand
Die Kinderneurologin Dr. Ingrid Tuxhorn zeigt die als helle Stelle erkennbare Verhärtung im Gehirn, die inzwischen entfernt worden ist. Foto: Westfalen-Blatt/Althoff
Die Kinderneurologin Dr. Ingrid Tuxhorn zeigt die als helle Stelle erkennbare Verhärtung im Gehirn, die inzwischen entfernt worden ist. Foto: Westfalen-Blatt/Althoff

Hoffnung keimte bei der Familie auf, nachdem die Frankfurter Ärz­te den Jungen ans Epilepsie-Zen­trum Bethel überwiesen hatten. Es gilt als bundesweit führend in der Diagnostik und Behandlung von Kindern mit schweren Epilepsien. In dem Zentrum sind in den vergangenen 15 Jahren bei 20 Kindern mit Tuberöser Sklerose Knoten aus dem Gehirn entfernt worden, der jüngste Patient war gerade ein Jahr alt. Dr. Ingrid Tuxhorn, Kinderneurologin und Leitende Ärztin am Epilepsiezen­trum: »Die Anfälle sind sehr belas­tend. Sie können mit Angstzustän­den und Herzrasen einhergehen und enden oft mit einem Sturz - wenn man die Kinder während der Krampfattacke nicht stützt.«
Obwohl die Patienten bis zu 30 Knoten zwischen Erbsen- und Wallnussgröße im Gehirn haben könnten, gebe es manchmal einen Tumor, der die »Führungsrolle« besitze und den Anfall auslöse, sagt die Expertin. »Unsere jahrelange Erfahrung und der Einsatz von Gehirnstromschreibern und neuesten bildgebenden Verfah­ren ermöglichen uns heute in vielen Fällen, diesen entscheidenden Tumor zu bestimmen«, erklärt die Ärztin, die Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Neuropädiatrie ist. »Wenn der Knoten so günstig liegt, dass wir ihn aus dem Gehirn entfernen können, hat der Patient gute Chancen, von seinen Anfällen befreit zu werden.«
Abstand

Nach OP kein einziger Anfall mehr

Abstand
Claudia Leitzbach war in dieser Woche mit Justin zur Kontrolle in Bielefeld. »Die Untersuchung hat ergeben, dass bei der OP die Verhärtung im Gehirn restlos entfernt worden ist«, sagt die Mutter. Foto: Westfalen-Blatt/Althoff
Claudia Leitzbach war in dieser Woche mit Justin zur Kontrolle in Bielefeld. »Die Untersuchung hat ergeben, dass bei der OP die Verhärtung im Gehirn restlos entfernt worden ist«, sagt die Mutter. Foto: Westfalen-Blatt/Althoff

Auch bei Justin war der Tumor gut erreichbar. In einer fünfstün­digen Operation frästen die Neu­rochirurgen Dr. Heinz Pannek und Dr. Friedrich Behne zunächst über dem linken Ohr des Kindes ein handtellergroßes Stück aus der Schädeldecke, um den Knoten zu erreichen, »Die Kunst der Chirur­gen besteht darin, den Knoten möglichst vollständig zu entfer­nen, ohne andere Hirnsubstanz zu verletzen«, erläutert Dr. Ingrid Tuxhorn. So lag Justins Tumor in einer Region, die die Muskeln von Gesicht, Zunge, Mund und linker Hand steuert. Die Chirurgen schickten deshalb während der OP mit einer Elektrode minimale Stromstöße in diesen Bereich des Gehirns und lösten so Reaktionen von Gesicht, Zunge, Mund und Hand aus. Dann arbeiteten sie sich mit der Elektrode Millimeter für Millimeter in Richtung des Tumors vor, bis die Stromstöße keine Reaktionen mehr hervorriefen. An dieser Stelle began­nen die Ärzte, den fünf Zentimeter gro­ßen Tumorknoten herauszuschneiden.

»Die OP ist jetzt sechs Monate her, und Justin hat seitdem keinen einzigen Anfall mehr gehabt. Mit so einem tollen Erfolg hatten wir nicht gerechnet!«, freut sich Claudia Leitzbach, die in dieser Woche mit ihrem Sohn zur Kon­trolluntersuchung in Bielefeld war. »Justin hat seit Februar enorme Fortschritte gemacht. Sein Wortschatz ist erheblich gewach­sen, auch wenn seine Aussprache noch längst nicht der eines Fünfjährigen entspricht«, sagt die Mut­ter.

Justin besucht zurzeit einen Kindergarten mit behinderten und nichtbehinderten Jungen und Mädchen. Ob er seine durch die Tuberöse Sklerose verursachte geistige Schwäche jemals überwinden wird, vermag heute noch niemand zu sagen. Claudia Leitzbach: »Wir sind erst einmal dankbar, dass Justin nicht mehr unter den schweren Krämpfen leidet und auch unser Familienleben endlich halbwegs normal verläuft - ohne durchwachte Nächte und die ständige Angst vor der nächs­ten Krampf-Attacke.«

Abstand

pic

Geben Sie uns Ihre Änderungen durch.

Als Mitglied des Tuberöse Sklerose Deutschland e. V. haben Sie hier die Möglichkeit uns Ihre aktuellen Daten zu übermitteln und uns über Änderungen zu informieren. Nutzen Sie dazu die nachfolgenden Online-Formulare.

Änderungsmitteilung für TSC-betroffene Einzelpersonen/Familien

Änderungsmitteilung für Fördermitglieder
Abstand

Termine

26.
FEB
Link
Zum ersten Regionalgruppen-Treffen Rheinland-Pfalz des Tuberöse Sklerose Deutschland e. V. sind ...
23.
MAR
Link
Unsere kommende Jahrestagung findet vom 23. - 25. März 2012, diesmal in der Hessisc...
28.
APR
Link
Nähere Informationen stellen wir demnächst zur Verfügung.
29.
APR
Link
Nähere Informationen stellen wir demnächst zur Verfügung.
25.
MAY
Link
Austausch- und Regenerationswochenende für Mütter von TSC-betroffenen Kindern, in Bad Salzschlirf. ...
Abstand

Partner

Abstand
180x150