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Sonntag, 05. Februar 2012
Wer Martin und seiner Mutter beim Würfelspiel am Küchentisch zusieht, käme nicht auf die Idee, dass er ein schwer krankes Kind vor sich hat. Der Achtjährige wirkt fröhlich und freut sich, wenn er gegen die Mama gewinnt. Doch der Schein trügt: Martin ist zu 100 Prozent schwerbehindert. Mit Pflegestufe 2 ist er dauerhaft auf Hilfe angewiesen. Ganz alltägliche Dinge wie Anziehen, Ausziehen, mit Messer und Gabel essen oder selbstständig auf die Toilette gehen, sind Martin wegen seiner krankheitsbedingten Einschränkungen nicht möglich, erzählt seine Mutter, Britta Lang aus Hof. Martin leidet seit seiner Geburt an Tuberöser Sklerose. Immer wieder sind deshalb Aufenthalte in Kliniken und Kontrolluntersuchungen nötig. „Martin hat viele kleine Tumore im Kopf und am Herzen“, erzählt Britta Lang, „die müssen ständig beobachtet – und gegebenenfalls operiert – werden.“

| Die alleinerziehende Mutter arbeitet halbtags in einem Versicherungsbüro und findet bei ihrem Arbeitgeber viel Verständnis für ihre Situation – wenn sie mit dem Kind immer wieder zu Ärzten und Therapeuten unterwegs ist. Martin wurde bereits eine Niere wegen eines bösartigen Tumors entfernt. Nur ein Jahr später, 2006, operierten ihm Neurochirurgen des Universitätsklinikums Jena einen Tumor aus dem Kopf. Danach musste sich Martin ein ganzes Jahr lang schonen: kein Toben auf dem Pausenhof, kein Spielplatz, kein Sport, kein Schwimmbad. Fußball spielen wie andere Kinder oder Fahrrad fahren kann Martin ohnehin nicht, weil sein Gleichgewichtssinn wegen einer angeborenen Schwerhörigkeit gestört ist. Für einen kleinen Jungen wie Martin ist es sehr schwer zu begreifen, wenn er Gleichaltrige Ball spielen und Radeln sieht und er selbst kann nicht mitmachen. „Oft kriegt er deshalb richtige Wutanfälle“, erklärt Britta Lang. Kürzlich habe er im Zorn sogar seine Brille kaputt gemacht.
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2004hatte der damals Fünfjährige erstmals epileptische Anfälle. Seitdemmuss er starke Medikamente nehmen. Inzwischen bemerkt Britta Langautistische Züge an ihrem Sohn, die Martins Kinderarzt Dr. LutzDietrich aus Hof attestiert und die inzwischen auch von einemPsychiater bestätigt sind. Dazu kommen laut Dietrich „deutlicheVerhaltensauffälligkeiten mit deutlichen Störungen desSozialverhaltens. Ein normaler Schulbesuch wird zunehmend schwierig,Freundschaften und andere kindliche soziale Interaktionen sind kaummöglich“, schreibt der Kinderarzt in Martins Befund. Dietrich schlägtdeshalb eine Delfin-Therapie für das Kind vor, „um bestehende Defiziteim sozialen, mentalen und kognitiven Bereich abzubauen“. Weil dieKrankenkasse die Kosten für eine Delfin-Therapie nicht übernimmt, istBritta Lang derzeit damit beschäftigt, Geld für die etwa 10 000 Euroteure Delfin-Therapie aufzutreiben. Mit Hilfe eines Sponsors hat siebereits 22 000 Handzettel drucken lassen und verteilt, auf denenMartins Geschichte zu lesen ist und die Spendenkonto-Nummer von Dolphinaid, einer Hilfsorgansiation, die die Delfin-Therapie im Auslandvermittelt. „Ichhabe mich sehr intensiv mit der Delfin-Therapie auseinandergesetzt“,erzählt Britta Lang. „Ich verspreche mir davon keine Heilung fürMartin“, betont die Mutter. „Aber ich hoffe, dass er sich durch dieDelfin-Therapie psychisch stabilisiert, dass er offener wird und wiederauf andere Menschen zugeht.“
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Seit Kurzem leidet Martin wieder an schwerer Kindermigräne mit starkem Kopfschmerz und Erbrechen. Damit wächst die Angst der Mutter, dass er wieder in die Klinik muss. Schon einmal nämlich musste Britta Lang einen Termin für die Delfin-Therapie verstreichen lassen. Damals kam Martins Kopf-Operation dazwischen. „Normalerweise wartet man eineinhalb Jahre auf einen Platz für zwei Wochen Delfin-Therapie“, sagt die 38-Jährige. Jetzt hat sich Britta Lang mit Martin für Januar 2009 angemeldet, zur Delfin-Therapie auf Curacao, einem von drei Orten auf der Welt, an denen Dolphin aid die Therapie anbietet. „Jährlich verhelfen wir etwa 300 Familien zu einer Delfin-Therapie“, sagt Kay Evers, Geschäftsführer des gemeinnützigen Vereins in Düsseldorf, auf Anfrage. Der Verein, den auch Barbara Becker, Ex-Frau des Tennis-Idols, unterstützt, finanziert seine Arbeit ausschließlich durch Spenden. Dolphin aid arbeite nur mit Medizinern und speziell ausgebildeten Therapeuten zusammen, betont Evers und warnt vor übertriebenen Hoffnungen. „Delfin-Therapie ist keine Voodoo-Therapie. Kein Kind geht ins Wasser und kommt geheilt wieder raus.“ Dennoch zeige sich, dass gerade Kinder, die als austherapiert gelten, nach einer Delfin-Therapie wieder therapiefähig sind. Evers nennt als Beispiel ein Kind, das vier Jahre lang kein Wort mehr gesprochen habe und dann plötzlich wieder mit zwei Worten begonnen habe – Mama und Theo – so hieß sein Therapie-Delfin. „Es ist, als ob die Kinder durch die Delfin-Therapie wieder aufgeweckt werden fürs Leben“, erklärt Evers. Mit den Spendengeldern von dolphin aid würden ausschließlich bedürftige Familien unterstützt, die die teure Delfin-Therapie selbst nicht finanzieren können. Dazu gehören auch Martin und seine Mutter aus Hof. Spendenkonto: Dolphin aid e.V., Stadtsparkasse Düsseldorf, BLZ 300 501 10, Konto-Nr. 2000 24 24, Verwendungszweck: Martin-Peter Lang Weitere Informationen unter www.dolphin-aid.deFoto: Hermann Kauper Wir bedanken uns für die kostenfreie Abdruckgenehmigung!
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